Team Massivhaus Bautagebuch 2017

Bauträger und Baubeschreibung

Zuerst mussten wir uns einen Überblick darüber verschaffen, welche Bauträger überhaupt in unserer Region tätig sind. Es waren deutlich mehr als erwartet. Von allen Bauträgern haben wir Kataloge samt Preislisten angefordert. Diese trafen binnen kürzester Zeit ein. Vom Hochglanz Din-A3 Katalog über ein riesiges Sonderformat bis zum billigen Din-A4 Ausdruck war alles dabei.

Zeitgleich haben wir uns durch viele Bautagebücher geklickt und mussten dabei erschreckt feststellen, dass meist nur Negatives zu lesen war, unabhängig vom Bauträger waren geschätzte 80% der Baublogs reine Mängelauflistungen und Beschwerdebriefe.

Einerseits kann einem das schon Angst machen, denn schließlich handelt es sich bei einem Hausbau in der Regel um die Investition des Lebens.
Andererseits ist die Anzahl der Bautagebücher im Vergleich zur Anzahl der tatsächlich hergestellten Häuser doch sehr übersichtlich.
Beispielsweise baut Team Massivhaus um die 900 Häuser im Jahr, das sind also fast 3 Häuser am Tag. Dagegen stehen ca. 4 Bautagebücher pro Jahr mit meist durchwachsenen Einträgen.

Wir hoffen einfach, dass hunderte zufriedene und glückliche Bauherren sich nicht berufen fühlten, ihre positiven Erfahrungen kundzutun.

Sicherheitshalber werden wir aber eine unabhängige Bauüberwachung beauftragen.
Als nächstes begannen wir die Baubeschreibungen der Bauträger zu vergleichen.

Vergleich einiger Baubeschreibungen

  • Eigenleistungen:
    Von Bauherren selbst zu organisieren und nicht im Leistungsumfang der Bauträger enthalten sind in aller Regel Baustrom, Bauwasser, Vermesser, Bodengutachter, Hausanschlüsse, Erdarbeiten für Schmutz- und Regenwasser, Malerarbeiten (dazu gehört meist das Verspachten von Deckenfugen und das Verspachteln von Rigipswänden) sowie Bodenlegearbeiten im gesamten Haus außer in Küche, Bad und Hauswirtschaftsraum.
  • Erdarbeiten:
    Bei allen verglichenen Bauträgern sind 30cm Oberboden (=Mutterboden) abschieben und „neben der Bodenplatte“ oder „seitlich auf dem Grundstück“ oder „als Miete“ lagern im Leistungsumfang enthalten.
    Einbau von Füllkies variiert dann zwischen 20 bis 30 cm.
    Die angenommenen Bodenklassen reichen von 1-4 über 2-4 bis hin zu 2-5. Dass der Begriff „Bodenklassen“ seit August 2015 von so genannten „Homogenbereichen“ in der DIN 18300 abgelöst wurde, hat anscheinend kein Bauträger gemerkt.
    Unterschiede gibt es auch bei der geforderten Tragfähigkeit des Untergrundes, daraus ergibt sich nämlich der erforderliche Bodenaustausch, was schnell in die tausende geht. Den meisten Bauträgern genügt eine Tragfähigkeit von 200kN/m². Der potentiell teuerste Bauträger fordert nur 150kN/m², einer der Günstigsten fordert ganze 280kN/m². Daraus könnte man schließen, dass die zusätzlichen Kosten für Bodenaustausch bei teuren Bauträger günstiger ausfallen als beim günstigen Bauträger.
  • Fundamente:
    Hier gibt es Unterschiede in der Betonklasse. C20/25 bis C25/30. Je kleiner die Zahl, desto weniger druckfest ist der Beton. Die meisten Bauträger bauen in die Fundamente keine Bewehrung ein oder machen hierzu keine Angaben. Ein Bauträger mischt dem Beton Stahldrahtfasern bei. Die Fundamentbreite reicht von ca. 30 bis ca. 40cm.
  • Betonsohle:
    Größere Unterschiede gibt es in der Bodenplatte. Die Stärken reichen je nach Bauträger von 12 bis 20cm. Schlimmer noch die verwendete Bewährung:
    Einige mischen Stahldrahtfasern bei, einige verbauen 1 Lage Q188 Stahlmatten, einer verbaut 2 Lagen Q188 Stahlmatten. Einige machen keine Angaben. Die darunterliegende Perimeterdämmung gibt es in Stärken von 5 bis 10cm.
  • Wandaufbau mit Verblendung:
    Für das Mauerwerk werden meisten 17,5cm Porenbetonsteine verwendet, einige Bauträge beschränken sich auf 15cm Porenbetonsteine. Dämmung variiert zwischen 12 und 18cm.
    Das Verblendmauerwerk darf zwischen 580€ und 700€/1000Steinen kosten.
  • Wandaufbau innen:
    Je nach Statik 17,5cm und 11,5cm Porenbetonsteinen, bei allen verglichenen Bauträgern identisch.
  • Dachdeckung:
    Meist Beton, einmal Tondachpfannen. Farbwahl von „5“ über „viele“ bis „alle erhältlichen“.
  • Innenputzarbeiten:
    Große Unterschiede bei den Innenputzarbeiten, also dem Verspachteln. „Sämtliche gemauerten Innenwände“, Achtung: bei den meisten Bauträgern sind die Obergeschoße aus Metallständerwänden, also nicht gemauert. Hier ist Eigenleistung gefragt. Ein Bauträger verspachtelt „alle Wände“.
  • Sanitärausstattung:
    Hier bauen die meisten Bauträger auf Kaldewei, einige mit und einige ohne Duschabtrennung.
  • Fliesenarbeiten:
    Die Materialpreise, für die man sich im Fachgeschäft Fliesen aussuchen kann, liegen meist bei 20€/m². Die Fliesengröße für Bodenfliesen variieren von 20×20 bis 30×60. Will man also gerne in der Küche oder im Hauswirtschaftsraum 30x60cm Fliesen und bietet der Bauträger nur 30×30 Fliesen an, wird hier ein Verlegeaufpreis fällig. Selbst wenn man sich innerhalb seiner 20€/m² Materialpreis bewegt.

Der Preis

Die Unterschiede zwischen den Baubeschreibungen der einzelnen Bauträger war unserer Meinung nach nicht allzu groß. Jedenfalls konnten wir keinen Punkt feststellen, der eine derartige Preisspanne zwischen den Bauträgern hätte rechtfertigen können. Zwar garantiert ein Bauträger eine Bauzeit von nur 3 Monaten und ist somit fast 6 Monate schneller fertig als der „Langsamste“. Aber diese Beschleunigung war uns keine ca. 100.000€ wert. Zumal nicht gesagt ist, dass in den 3 Monaten eine bessere Qualität geliefert wird. Auch bei dem teuren Bauträger gibt es negative Erfahrungen, wo auch nicht?

geralt / Pixabay

Die Entscheidung

Wie sehr viele unserer zukünftigen Nachbarn haben auch wir uns für Team Massivhaus entschieden. Wir hoffen einfach darauf, dass wir Glück mit dem Wetter und den Subunternehmern haben werden, die Mängel sich in Grenzen halten und die Bauzeit nicht zu sehr überschritten wird.

qimono / Pixabay

 

 

 

 

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